Einblicke in die craniosacrale Arbeit

Drei Tage Cranio-Fortbildung in Dresden liegen hinter mir – viel Anatomie, viele funktionelle Zusammenhänge zwischen „Fühlen“ – „Sehen“ – „Verstehen“. Und für mich immer wieder Parallelen und Aha-Effekte (vor allen Dingen am eigenen Leib) in Bezug auf den Pferdekörper.
Schnell vergisst man als Therapeut wie sich das anfühlen kann, wenn man behandelt wird. (Und als Reiter vergisst man auch ständig wie sich das wohl als Pferd anfühlt!) Und wie anstrengend die innerlichen Prozesse sind, die in einer manuellen Behandlung ausgelöst werden und von außen kaum sichtbar sind.

Von innen nach außen oder von außen nach innen?

Nach akuten Verletzungen oder besonderen Beanspruchungen des Zentralen Nervensystem (z.B. nach hoher Trainingsbelastung, Turnier, Sturz, Verletzung etc. – wenn man eigentlich gerade in Ruhe gelassen werden will!), kann es für den Körper deutlich angenehmer und effektiver sein, NICHT direkt das Zentrum (=Craniosacrale System), also die eh schon gereizten Nerven, anzusprechen, sondern die Entspannung und Lösungsprozesse über die Peripherie, über die Extremitäten, auszulösen.

Normalerweise wird in der Craniosacralen Therapie von Innen nach Außen gearbeitet. Der oben beschriebene Lösungsansatz von Außen nach Innen (und wieder zurück) fällt in den Bereich der somato-emotionalen Entspannung. Das bedeutet, hier werden über die Motorik die Nervenzellen beruhigt und der noch in der Schockstarre verharrende Körper ausgetrickst.

Das Ziel beider Varianten ist dasselbe: das Aufspüren von „Problemzonen“ (Verspannungen, Stress – sowohl körperlich wie emotional oder auch psychisch, da alle drei Ebenen sich gegenseitig aufeinander auswirken). Nach dem Aufspüren folgt die Lösungsphase; es werden neue Freiräume geschaffen. Zum Beispiel, im sich lösenden Gewebe, wodurch hypertone Muskeln sich entspannen und auf ihre ursprüngliche Länge ausdehnen. Gleicht sich die Muskelspannung aus, können Knochen und Gelenke wieder in ihre ursprüngliche physiologische Position zurück und Verschleiß aufgrund von Fehlbelastungen wird vermindert.

 

Eine hohe Spannung in der Pferdeschulter und in Verlängerung auch in den Beuge- und Strecksehnen, die bis hintur an den Huf gehen, behindert das lockere Vorschwingen des Vorderbeins. Außerdem wird durch die hohe Sehnen-/Faszienspannung die Beweglichkeit in den unteren Gelenken (Fesselgelenk, Kronbeingelenk, Hufgelenk…) eingeschränkt. Deshalb haben „krumme Hufe“ immer etwas mit dem Bewegungsapparat zu tun. Form follows function… verspannte Muskulatur gibt schiefe Hufe und andersherum geben unphysiologisch bearbeitete Hufe Spannungen in der Muskulatur. 😀

 

Beispiele am Menschen sind die „Schreibtischhaltung“ mit der verkürzten Brust- und geschwächten Rücken-/Schultergürtelmuskulatur und dem daraus resultierenden Rundrücken. Beim Pferd sind es, wie oben bereits erwähnt, durch die reiterliche Be- und häufig Überlastung oft die verspannten Beckenstrukturen oder verklebte Schulterpartien, die das freie Schwingen der Beine und zudem die Kraftübertragung von einem Körperende zum anderen verhindern. Daraus resultiert das physilogische Bild der Trageerschöpfung…

 

Ein einfaches und leicht verständliches Bild dazu: Ihr habt einen Tisch mit einer großen Tischdecke darauf. Irgendwo auf dem Tisch liegt ein Stein. Die Tischdecke steht für unser Fasziengewebe im Körper, der Stein für eine Verspannung oder Verklebung, Verletzung etc pp. Ganz gleich an welchem Ende der Tischdecke ihr anfasst und zieht, irgendwann erreicht ihr immer den Punkt, wo euch der Stein stört! Würdet ihr beispielsweise eine wellenartige Bewegung mit der Tischdecke starten, wäre sie jedesmal dort wo der Stein liegt zu Ende und geht nicht bis auf die andere Seite durch – es sei denn ihr bringt genug Kraft (Körperspannung, Muskelarbeit) auf, so dass ihr mit der „Welle“ den Stein mitbewegt. Das scheint nun bei dem Beispiel Stein und Tischdecke recht unwahrscheinlich. 🙂

Nun könnte man weiterspinnen und sich vorstellen, ihr legt eine Tischdecke über euer Pferd und setzt einen Reiter drauf… ^^ Wie ist es dann?

Meine Gedanken schweifen ab…zurück zur Cranio.

Cranio und Osteopathie sind keine Hexerei – oder doch? ;p

Nun, so könnte man weiterschreiben und kommt von einem Knochen auf den nächsten… 😀

Das soll jedoch nur ein kleiner Einblick sein in die Idee, die sich hinter dem bisher in der Pferdewelt noch recht unbekannten Begriff der „Craniosacralen Therapie“ verbirgt. Craniosacrale Therapie gehört zur Osteopathie und beruht auf fundierten anatomischen Grundlagen. Das ist keine Hexerei! ;p …obwohl manchmal doch schon! <3

 

Craniosacrale Osteopathie ist ein Prozess – keine Hauruck-Heilung

Es lohnt sich auf jeden Fall sowohl für den Reiter wie auch die Pferde sich immer wieder aktiv-passiv zu entspannen und auf eine spannende Entdeckungsreise im eigenen Körper zu gehen. Oft ist einem gar nicht bewusst, wo sich Spannungen verstecken. Es funktioniert ja erstmal auch so… schleichende Prozesse der Abnutzung tun erst viel später weh. Craniosacrale Arbeit löst nicht nur, sondern versteht sich als Prozess. Das Körpergefühl und die Wahrnehmung für den eigenen Körper werden deutlich verbessert. Das wiederum sollte sich dann auch in allen Arten von Training und Lernprozessen wiederspiegeln – für Pferde wie für den Menschen…

 

Wir sehen uns bei Euren Pferden!

 

Lina