Erfahrungsbericht PRE Stute Cranio & Balance Pads

Hier seht ihr eine PRE Stute, die erst mit 8 Jahren roh aus Spanien kam. Sie hatte 2 Fohlen und war bei der Übernahme in einem schlechten Zustand. Mittlerweile sieht sie gesund und munter aus. Sie wird geritten und lebt mit vielen Artgenossen in einem wunderschönen Offenstall. Sie hat „ihren“ Menschen und wird geliebt und umsorgt.

Behandlungsgrund ist eine Schulterproblematik vorne rechts, die sich erst am Morgen gezeigt hatte. Ursache ist vermutlich eine Zerrung durch eine Übung am Podest am Vortag.

Zu Beginn behandel ich die Vorderbeine und den Schulterbereich mit sanften faszialen Techniken, um den Lymphfluss anzuregen. Mobilisation wäre bei einem frischen Muskelfaserriss kontraindiziert. Dann wende ich zur Unterstützung der Regeneration craniosacrale Techniken an. Die Stute reagiert sehr gut darauf und so taste ich mich voran. Sie ist sehr fest im Bauch- und Beckenbereich und ich denke, es gibt evtl. alte Läsionen von den zwei Geburten und der Zeit aus Spanien. Auch die psychisch und emotionale Komponente spielt dabei eine wichtige Rolle. Als Zuchtstute (in Spanien oder anderswo) ist das ja meist kein Zuckerschlecken. Dazu der lange Transport und die ehemals sehr widrigen Haltungsbedingungen, meistens zu frühes Absetzen der Fohlen usw… wer weiß schon, was bisher alles in diesem Pferdeleben passiert ist.

Auffällig ist die kuhhessige Stellung der Hinterbeine, d.h. die Hinterbeine stehen bodeneng und sind nach außen rotiert. Das spricht für einen verspannten M.iliopsoas, der Lenden-Darmbein-Muskel,  der auch „Kummermuskel“ genannt wird. Barocke Pferdetypen, wie z.B. die PRE’s, arbeiten durch ihr kompaktes Exterieur und den kurzen, aufrechten Hals viel über den Iliopsoas. Häufig haben sie Defizite in der Bauchmuskulatur und laufen zwar „schön aufgerichtet“, jedoch hängen sie in Wirklichkeit in der Mitte durch. (Mein eigener PRE ist da „untrainiert“ ein prima Beispiel — das Klappstuhl-Pferd :D) Sichtbar wird dies, wenn die Lendenwirbelsäule eingesunken wirkt. Das ist hier nicht unbedingt der Fall und ich denke, die Ursache liegt eher an muskulären Verspannungen durch das intensive Training und evtl auch im emotionalen Bereich. Der Iliopsoas ist ein sehr energetischer Muskel und steht für Themen wie „Heimat“, „zu Hause“, „Stabilität“, „Sicherheit“. Nach der Reise, die unsere Pferdedame hinter sich hat, kann man vermuten, dass hier sicher noch einiges festhängt, auch wenn sie schon seit langer Zeit in guten Händen ist.

Während der weiteren Behandlung sinkt die Stute in eine sehr tiefe Entspannung. In diesen Momenten des Abschaltens, empfinde ich als Therapeut häufig eine große Ruhe (innere Stille) und Dankbarkeit. Ich bin dankbar, dass ich mit diesem Tier arbeiten darf, das Pferd scheint dankbar für diesen Moment der Stille und des in-sich-hineinhorchens. Je nach Charakter reagieren Pferde sehr deutlich: mit Gähnen, Abkauen, Schütteln. Oder sie sind eher zurückhaltend und zeigen äußerlich nur ganz minimal, dass gerade einiges passiert im Pferdekörper.

Das Schöne an der Craniosacralen Osteopathie ist, dass man als Therapeutin nur als Anschubser fungiert. Der behandelte Körper wird immer nur so viel „passieren lassen“ wie er es in diesem Moment verarbeiten kann – und ganz wichtig, er heilt sich selbst. Für Außenstehende am beeindruckensten ist das Unwinding, eine „Entwirrung“ körperlicher Strukturen. Manchmal lösen sich physische Restriktionen, indem bestimmte Bewegungen (z.B. von einem traumatischen Sturz) nocheinmal nachgeahmt werden. Dadurch wird dieses Erlebnis, dass „einem noch in den Knochen steckt“ verarbeitet und Knochen, Muskeln und Gewebe können in ihre ursprüngliche, physiologische Position zurück. Es entsteht neuer Bewegungsraum.

Zurück zum Behandlungsbeispiel: Die Stute ist im Bauch- und Beckenraum sehr angespannt und auch die Atmung ist sehr verhalten. Fast scheint es, als wenn sie die Luft anhält. Man merkt ihr an, dass es sie Überwindung kostet, bevor sie sich traut im Bauch- & Beckenbereich endlich loszulassen – und wirklich einmal tief hineinzuatmen. Gleichzeitig beginnt eine „Entwirrung“ der gesamten Wirbelsäule, vom Schweif bis zum Kopf. Diese Momente, in denen sich „alte Sachen“ lösen sind so wunderbar… Ich behandel die Diaphragmen und den Beckenbereich, während das Pferd anfängt vorne den Hals zu verdrehen. Das sieht erstmal komisch aus, wenn plötzlich der ganze Mähnenkamm verquer hängt und das Pferd seltsame Verrenkungen macht. Man staunt immer wieder, wie doch ALLES im Körper zusammenhängt. Die Organtätigkeit, die Muskeln und Sehnen, die vielen Bänder und das ganze Gewebe „dazwischen“, die Faszien. Ein Wunderwerk. 😀 Häufig „hört“ man wie bei einer Behandlung die Gedärme in Schwung kommen (der Stoffwechsel angeregt wird) und es gluckst, blubbert, schnaubt und „pupst“ fröhlich…

Nun gut, also wie oben beschrieben, sind sehr viele Dinge in diesem Pferdekörper passiert und die hübsche Dame steht etwas losgelöst von der Realität an ihrem Platz und horcht in sich hinein. Es setzt eine tiefe und gleichmäßige Atmung ein, das Pferd kaut ab, schnaubt einmal leise und auch der Hals richtet sich wieder… (Gottseidank, ich hatte mir schon Gedanken gemacht wie ich das mit dem schiefen Hals der Besitzerin erkläre…hihi kleiner Spaß am Rande ;p)

Zum Abschluss biete ich an, die Balance Pads auszuprobieren, da ich den Eindruck habe, dass es im Becken und in der Wirbelsäule noch so einiges zu sortieren gibt. Gesagt, getan. Wie ihr auf dem Video sehen könnt, ist die Stute von vornherein sehr verzückt von den Pads. Sie steht zum ersten Mal auf den Pads und hat sich sofort genüßlich eingegroovt. Man sieht, wie sie hin und her schaukelt und selbst mit ihrem Körper ausprobiert und hineinfühlt. Fehlt nur der Hula-Hoop-Reifen…

Als wir die Stute nochmal auf den Platz führen wollen, um zu schauen wie sie läuft, steht sie tiefenentspannt und wie angewurzelt da. Man meint, sie sei sich noch nicht so sicher, ob es jetzt schon möglich (und nötig) sei die Hufe vom Fleck zu bewegen… 😀 <3 Manchmal sind die Pferde nach einer Behandlung so „verzaubert“, dass sie einen Moment brauchen, um sich wieder in Bewegung zu setzen. Die ersten Schritte nach so einer intensiven Erfahrung sind häufig etwas wackelig. Es ist wichtig, in dieser Zeit dem Pferd Freiraum zu geben und es selbst entscheiden zu lassen wann und wie es sich bewegen mag. Es sollten keine Bewegungen oder Tempi erzwungen werden. Wir führen die Stute also im Schritt auf den Platz und geben ihr Zeit nachzuspüren bis wir beobachten können, dass sich ihr Blick wieder nach außen richtet und sie wieder voll und ganz bei uns in der Gegenwart angekommen ist. Sie wirkt gelöster. Insgesamt macht sie einen sehr weichen, geschmeidigen und sehr zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck. Irgendetwas hat sich gelöst – und wenn es nur eine unangenehme Erinnerung war, die jetzt Beachtung gefunden hat.

Wer bis hierhin durchgehalten hat mit Lesen: Ich hoffe, man kann die „Reise durch den Körper“ nachvollziehen. Es ist natürlich nicht jede Behandlung so intensiv wie diese. Manchmal passiert das „einfach so“ und oft auch nur dann, wenn man gar nichts erwartet hat.

In diesem Fall war eine Behandlung ja gar nicht vorgesehen und es hat sich alles „zufällig“ ergeben… 🙂

Wunderbar… <3