Fallbeispiele „Pferdephysio mit den Balance Pads“

Heute stand Physiotherapie mit den Balance Pads auf dem Programm:

Fallbeispiel: Dressurpferd in Rente mit Arthrose – Übungen mit den Balancepads

24jähriger Wallach, ehemals Sportpferd (Schwerpunkt Dressur), Befund durch TA: Arthrose und beginnende Hufknorpelverknöcherung, seit vielen, vielen Jahren beschlagen, aktuell mit einer Gummieinlage als „Federung“.

 

Bei meinem „Lieblingsrentner“ verwende ich die Pads seit ca. 2 Wochen als schonende Bewegungstherapie zum Mobilisieren und gleichzeitig als Muskel- und Stabilitätstraining. Wir machen die Übungen im Stehen und es sind schon nach ein paar Sekunden deutliche Temperaturanstiege in den angesprochenen Muskelgruppen rund um die Schulter und an der ischiocruralen Muskulatur wahrzunehmen. Es passiert also eine Menge…

Ach ja und dieses Pferd sagt, 1-2 mal pro Woche Balance Pad Training reicht! Und das auch nur wenige Minuten. Es scheint ihn doch sehr anzustrengen.. seufz, es ist auch nicht so leicht in Würde alt zu werden. Wir bleiben dran.

 

Das Stehen auf den Pads ist vergleichbar mit der Physioübung „kurzer Fuss nach Janda“ aus der Humantherapie. Sieht nach nix aus, aber man gerät doch schneller ins Schwitzen als man denkt. Probiert’s mal… eine Anleitung findet sich sicher im Internet. Oder ihr fragt den Physio eures Vertrauens. ;p

Besonders bei bewegungseingeschränkten Patienten (z.B. aufgrund von Schmerzen oder nach Verletzungen an großen Gelenken und daraus folgender Instabilität) oder Muskelschwäche, sind die Balance Pads eine Möglichkeit in die tiefliegenden und skelettnahen Muskelschichten vorzudringen. Zudem werden die Propiorezeptoren trainiert, welche dem ZNS Rückmeldung über die Lage und Stellung von Gelenken bzw. Körpergliedmaßen im Raum geben. Und das beste daran: das Pferd entscheidet selbst, was es kann und wann es genug ist. Es wird nicht von jemand anderem „manipuliert“.

Fallbeispiel: Balance Pads beim Reiten

7-9 jährige (?) Stute, erst seit 1 Monat im neuen Stall und insgesamt noch sehr skeptisch und mit einigen Baustellen: noch keine „korrekte“ Bemuskelung, etwas Unterhals, angespannter Rücken, Sattelpassform ebenfalls noch nicht optimal, verspanntes Becken und ISG-Problematik, dadurch wirkt sie steif in den Sprungelenken und man sieht deutlich es fällt ihr schwer aktiv Last zu tragen ohne zu verspannen. Die Besitzerin teilte mir mit, dass ihr Pferd den linken Hinterhuf nicht gibt beim Hufe auskratzen.

 

Neben der Tatsache, dass es hier noch viele viele andere Therapie- und Trainings-Möglichkeiten gibt, ergab es sich heute spontan, dass wir einen Versuch mit den Balance Pads starteten:

Nach einer manuellen Behandlung zum Lösen der Beckenstrukturen verbesserte sich das Gangbild bereits deutlich und zudem schien das Pferd ab diesem Moment sehr „interessiert“ an dieser neuen Art von Lösungsarbeit… (Ich freue mich immer so, wenn man merkt, dass die Pferde manchmal selber staunen, was alles so geht… und wie es sich anfühlen kann. )

Obwohl die Stute als eher „schreckhaft“ beschrieben wurde, hat sie sich sehr rasch mit den grünen Pads angefreundet. Zuerst habe ich jeweils ein Pad unter ein Vorderbein gelegt, dann beide zusammen unter je einen Huf vorne. Die Reiterin saß dabei noch im Sattel. Es war sehr spannend zu beobachten wie das Pferd in sich hineingehorcht hat und anfing auszuprobieren. Die Hinterbeine standen eher breit, aber dafür auf gleicher Höhe, also auch mit gleichmäßiger Lastenverteilung. Die Stute hat sich eine Weile eingeschaukelt und dann nur noch das rechte Vorderbein auf dem Pad gehabt. Nachdem sie die Übung selbstständig beendet hatte, waren die ersten Schritte sehr wackelig. Dann war eine deutliche Veränderung im Schritt zu beobachten. Die Hals- und Rückenlinie wirkte entspannter (Jaaa, es hat sich sogar etwas bewegt! *freu*) und laut der Reiterin hat es sich auch anders angefühlt als vorher, „leichter und es fühlt sich so an als wenn der Rücken hoch kommt“.

 

Bevor wir die Pads angewandt haben, riß die Stute beim Antraben den Kopf hoch, um die Schulter frei zu bekommen. Und es fiel ihr sichtbar schwer in eine positiv gespannte Dehnungshaltung zu gehen. Nachdem sie auf den Pads stand, konnte sie vorne regelrecht „schreiten“ und gleichzeitig eine positive Spannung im Oberhals aufbauen. Nach einer Weile „suchen“ hat sie sich am langen Zügel für eine mittlere Halsposition mit deutlich geöffnetem Genick entschieden. Es war gut zu erkennen, dass sie herausgefunden hat wie sie die Last auch auf die passiven Strukturen (Nacken-Rückenband) verteilen kann. Der Trab wurde viel gleichmäßiger und es war möglich dem Pferd eine Idee von Anlehnung zu vermitteln ohne in Schulter und Hals zu verkrampfen.

 

Leider sah das Hinterteil noch lange nicht so fluffig aus… also haben wir die zweite Runde mit den Pads unter den Hinterfüßen gestartet. Hier blieb es dabei, das linke Hinterbein konnte das Pferd nicht hergeben. Also haben wir nur ein Pad unter den rechten hinteren Huf gelegt. Während die Stute mit einem Bein auf dem Pad stand, habe ich weiter an der Entspannung des lumbosacralen Übergangs und den beteiligten Faszien und Bändern gearbeitet.

 

Nach Aussage der Besitzerin konnte die Stute sich bisher nur vom Boden rückwärts richten lassen und auch das nur schwer. Wir haben es probiert und nach ein bißchen „Nachdenken“ und „vortasten“ des Pferdes, gab es kleine Erfolge. Die Stute konnte ihr Gleichgewicht gut auf beide Hinterbeine verschieben und auch ein oder zwei vorsichtige Schritte wagen. Ganz toll war im Folgenden zu beobachten „wie schön“ das Pferd nun aussah im Schritt und auch im Trab. Natürlich noch lange nicht perfekt, aber in einer super Remontehaltung. Es war möglich bei gleichbleibendem Tempo die Zügel aus der Hand kauen zu lassen und wieder aufzunehmen ohne, dass Rhythmus und Takt verloren gingen. Man konnte erkennen wie Muskeln im Oberhals und im Rücken (das was man hinter dem Sattel noch sehen kann) locker an- und abspannen.

 

Ein toller und ganz ungeplanter Erfolg heute – einfach so, bei einem verregneten Tag in der Reithalle Ich danke Pferd und Reiterin für die tollen Erlebnisse und freue mich auf eine Fortsetzung!

 

Wenn ihr die Balance Pads ausprobieren möchtet, könnt ihr euch gerne bei mir melden.

Es macht wirklich Spaß und Pferd und Reiter profitieren sehr unmittelbar davon. Die Pads lassen sich nahezu überall anwenden und funktionieren somit auch prima als Mini-Training für zwischendurch, davor oder danach.. 🙂