Seminar „Körperarbeit mit Pferden“

Am vergangenen Wochenende war es soweit, mein erstes Seminar zum Thema:

„Körperarbeit mit Pferden“

fand statt…und dazu noch im tiefsten Bayern! Da hab‘ ich ja Glück gehabt, dass ich alle verstehen konnte bzw. dass ich als nordisch-thüringischer Immigrant auch verstanden wurde. ;p Sechs Teilnehmer mit ihren Pferden hielten bei lausigen Temperaturen tapfer durch. Mit einem Becherchen Glühwein ließ sich auch die trockene Therorie gut überstehen. Und dann ging’s los, ran an’s Pferd und „abtasten“. Die Anatomie auf einem Blatt Papier ist das eine, dieselben Sachen am „echten Pferd“ wiederfinden das andere. 😀 Doch alle haben sich tapfer geschlagen und gottseidank, es hat doch jedes Pferd eine Halswirbelsäule und KEIN Schlüsselbein… ^^ Das mit dem Schlüsselbein ist ja so eine Sache beim Pferd. Und wenn man dann erst das Buggelenk sucht, wobei man doch die Schulter schon gefunden hat. Und wieso hat das Pferd nur zwei Knie, wenn es doch vier Beine hat? 😀 Alle diese Fragen haben uns geholfen mal nicht lautmalerisch, sondern über unsere Hände in den Dialog mit unserem Pferd zu kommen. Mit den Händen lauschen… eine wunderbare Erfahrung für Mensch & Pferd.

Es ging los, zu zweit an einem Pferd, mit einer Meridianmassage. Erste Eindrücke am Körper des Pferdes sammeln. Reaktionen anschauen und abwarten – ja meistens sind wir alle viel zu schnell und viel zu ungeduldig. 😉 Über das Abfahren des Blasenmeridians bekommen wir einen Eindruck, in welchen Körperbereichen Verspannungen oder Probleme liegen. Häufig überschneidet sich das mit den bereits bekannten Problemen oder Reaktionen (Rittigkeit, Ausweichverhalten, Sattelzwang, Stellungsprobleme, diffuse Lahmheiten etc.).

 

Nach dem ‚Eingrooven‘, ging es weiter mit den Strukturen im Becken und Kreuzdarmbeinbereich. Über verschiedene einfache Techniken aus der Akupressur und mit Faszientechniken, bekommt jeder Teilnehmer Übungen an die Hand mit denen er vor jeder Trainingseinheit seinem Pferd helfen kann, Verspannungen in der Hinterhand zu lösen bevor das Bewegungsprogramm beginnt. So können sich neue Bewegungsmuster leichter erlernen lassen und Schonhaltungen aus vergangenen Traumata allmählich aufgelöst werden.

Die Pferde können und dürfen dabei prima entspannen. „Genußgesichter“ und erste Anzeichen von Tiefenentspannung treten schon recht bald auf. Abschnauben, durchatmen, abnickern, …

 

Nach der Mittagspause ging es weiter mit einer kurzen Wiederholung der Techniken zum Lösen der Hinterhand. Dann folgt eine „Inspektion“ des Mittelteils des Pferdes. Wie sieht der Rücken aus? Was sehe und fühle ich dort? Was ist die große Rückenfaszie (thorakolumbale Faszie) und welche Muskulatur nimmt hier Einfluss. Was kann ich tun, um die Rückenfaszie zu entspannen und somit der Rückenmuskulatur mehr Raum zu schaffen, um zu arbeiten?

 

Wir schauen uns den Kopf- und Halsbereich des Pferdes an. Beschäftigen uns mit dem Kiefergelenk und dem Genick. Entspannung der kurzen Nackenstrecker. Lösende Übungen für den Kopf-Schulter-Hals-Nackenbereich. Gibt es Hinweise am Pferdekörper, dass ich in meinem Training etwas verändern sollte? (Stellung der Vordergliedmaßen, Muskelverspannungen).

 

Natürlich ersetzt dieser Kurs nicht die Behandlung durch einen professionellen Therapeuten, Tierarzt & Co, aber es ist schön zu sehen wie sehr die Pferde davon profitieren, wenn jeder Reiter mit den eigenen Händen erfassen kann, ob es seinem Pferd heute gut geht oder nicht. Ob es Hinweise auf nicht passendes Equipment gibt. Und den Pferdebesitzern hilft es zudem, die Arbeit von Therapeuten, Osteopathen, Sattlern besser nachvollziehen zu können.

 

Die Übungen und Techniken aus den verschiedenen therapeutischen Bereichen lassen sich nach einer guten Erklärung und mit angeleiteter Übung, gut für jedermann umsetzen. Ein Großteil der Techniken erfordert keine körperlichen Anstrengungen im Sinne von „Kraft“, eher im Gegenteil – weniger (Druck) bringt meistens mehr!

 

Die Mischung macht’s. Neben palpatorischen Übungen, Massagen, sanften Faszientechniken, Mobilisierungen, gibt es simple Hilfsmittel wie die Anlage eines Space Tape zur Entspannung der Sattellage oder des lumbosacralen Übergangs. Oder die Arbeit mit den Theraband Balance Pads, wo das Pferd selbst über die Intensität und Dauer der Anwendung bestimmt.

 

Neben Akkupressurpunkten, Palpationsübungen, Mobilisationstechniken und myofaszialer Lösungsarbeit, geht es insbesondere darum die Pferde zu beobachten, zu (er)fühlen und ihre Reaktionen zu erkennen. Selbst auf minimale Impulse zeigt ein Pferd eine Reaktion. Je angenehmer „der Impuls“ und je vertrauensvoller es sich der Behandlung hingeben kann, desto „schöner“ wird es. Es ist wunderbar zu sehen, wie dankbar die Pferde für so einen „Wellnesstag“ sind.

Die sanften Berührungen, Mobilisationen, Massagen und Wahrnehmungsübungen (Balance Pads) helfen Pferd und Reiter „ohne Worte“ miteinander kommunizieren zu können. Sich besser verstehen, die Empfindungen des anderen wahrnehmen und respektieren, Vertrauen aufbauen, gemeinsam Freude an der Bewegung haben – das sind die Ziele des Seminars „Körperarbeit mit Pferden“.

 

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer, eure Pferde, Helfer, Organisatorinnen und Stallbesitzer für diesen tollen Kurs! Danke für Eure Gastfreundschaft! Der Tag mit Euch und euren Pferden hat mir großen Spaß gemacht und ich bin stolz auf Euch, was ihr alles „mit eigenen Händen“ erreichen konntet! Tausend Dank auch für die köstliche Verpflegung, die leckere Kürbissuppe und das Anheizen des Ofens in der Stube! <3

 

Der Kurs eignet sich für sowohl für „aktive Reitpferde“, ganz gleich aus welcher Disziplin (auch Schulpferde), sowie für ungerittene, ältere, „gerettete“ und ja eigentlich ALLE Pferde! Rasse und Größe sind ebenso ohne Belang. Wohlbefinden hat schließlich jeder verdient. ;p

Jeder Teilnehmer bekommt ein ausführliches Skript, wo alle Übungen beschrieben sind und nachgelesen werden können.

 

Ihr habt Interesse selbst so einen Kurstag zu organisieren? Gerne komme ich zu Euch in den Stall. Im Winter ist ein Kurs nur möglich, wenn für ca. 8h eine Halle oder ein überdachtes und etwas wettergeschütztes Roundpen zur Verfügung steht, in dem wir ungestört behandeln können. Sowie ein beheiztes Reiterstübchen, damit zwischendurch die Finger wieder auftauen können. 🙂

Ab Frühjahr mit den entsprechenden Temperaturen, kann der Kurs problemlos im Freien auf dem Reitplatz oder einem anderen ruhigen Ort stattfinden.

Teilnehmerzah 4 bis 8 Personen mit eigenen Pferden (Da zu zweit an einem Pferd gearbeitet wird, muss nicht jeder Teilnehmer ein eigenes Pferd mitbringen. Möglich ist das aber trotzdem. Organisation & Kosten der Pferdeunterbringung sind mit dem jeweiligen Stallbesitzer zu klären.)

 

Für Planung & Details schreibt mir an info@lina-peuckert.de! Oder ruft an 0172-6262820.